An und für sich ist Ostern ja nicht einen so langen Beitrag wert. Aber dieses Jahr war das schon etwas Besonderes. Für Ostersamstag hatte ich mit meiner Nachbarin eine große Party organisiert, um Spendengelder für eine Heim/Schule für Straßenkinder zu sammeln, welche wir seit einiger Zeit unterstützen. Aber auch das wäre nicht unbedingt erzählenswert. Es bildet lediglich die Vorgeschichte zu einer wirklichen unglaublichen Geschichte aus der indischen Provinz.
Gründonnerstag:
Einkauf am Kandherao-Market, dem Großmarkt für Obst und Gemüse, Blumen, Körbe, Puja-Krimskrams usw. Ich liebe diesen Markt. Bunt und für mich immer noch etwas exotisch. Es gibt nirgends sonst frischeres Gemüse und größere Auswahl. Da gibt es die ersten Mangos der Saison und die letzten Erdbeeren der Saison. Oder die ersten gelben Karotten, nach einem langen Winter mit roten Karotten. Frisches Zitronengras bekomme ich auch nur da. Und die Blumen (Rosen, Gerbera, Nelken, Orchideen) kosten hier nur ein Viertel der Innenstadtpreise. Der abgeteilte Markt für die „Tempelblumen“ betäubt einen durch seine Farben und den überwältigenden Duft. Man muss sich zwar durch den Rummel rundherum und die Müllhaufen nebst fressenden Kühen und deren Hinterlassenschaften kämpfen, aber es ist immer wieder ein Erlebnis für alle Sinne.

Blumenverkäufer am Kandherao-Market
Auf diesem Markt entdecke ich auch nach vier Jahren noch Dinge, die ich bisher nicht gekannt habe. Oder von denen ich mir nicht vorstellen konnte, dass es dafür eine Nachfrage gibt. Getrocknete Kuhfladen zum Beispiel. Beutelchen mit ein paar Weizenkörnern, welche man für irgendwelche religiösen Rituale in flachen Schalen aussät. Prima, denke ich, das kann ich auch für Ostern verwenden:

Osterkater
Auf meinem Einkaufszettel stehen 180 Eier, 30-40 Osterkörbchen, Rotkohl Blaukraut usw. Für die große Osterparty habe ich mich verpflichtet, das „Easter Egg Hunt“ zu organisieren.
Karfreitag:
Schon früh morgens wurstele ich in der Küche rum. Die von Rehana frisch gewaschenen Eier werden von mir gekocht und gefärbt. Durch die offene Küchentür schwappen den ganzen Tag die österlichen Gesänge der naheliegenden syrisch-orthodoxen Kirche herüber. Dankbar bemerke ich, dass die Lautsprecher wirklich funktionieren und die Gesänge, welche mich an gregorianische Gesänge erinnern, unverzerrt und in akzeptabler Lautstärke die Nachbarschaft berieseln. Mittags und abends mischt sich in diesen Chor der Gesang der Imame von den fünf umliegenden Moscheen.
Irgendwie kommt eine richtig friedliche österliche Stimmung auf.... ![]()
Gegen Mittags klagt Rehana über leichten Schwindel (es hat mittlerweile schon 40 Grad) und läuft schnell zur gegenüberliegenden Krankenstation. Als sie nach 15 Minuten nicht zurück ist, schaue ich nach – und da sitzt sie kreidebleich und der Doktor schaut ernst auf das Blutdruckmessgerät: 210! Und sie berichtet, dass sie das schön öfter hatte, aber es ging ja immer gleich vorbei. Da gibt es nur eins: Sofort ins Krankenhaus zur Überwachung. Die erste EKG-Untersuchung zeigt, dass evtl. bereits eine Vergrößerung des Herzmuskels möglich ist. Also wird auch gegen ihren Protest die ganze Untersuchungsreihe angeordnet. Auch gegen ihren Willen spreche ich ein Arbeitsverbot aus. Erst wenn alles abgeklärt ist und ihr Blutdruck medikamentös eingestellt ist, darf sie wieder kommen.
Leicht besorgt schnipple ich am Nachmittag das Blaukraut. Am Abend berichtet sie am Telefon, es ginge bereits besser.
Ostersamstag: Die Party
Großkampftag in der Küche. Es gibt einiges zu tun für die abendliche Party. Vollkornbrot und Käsekuchen mit Mangos backen. Blaukraut kochen. Khir kochen. Kassler mit Senfkruste backen. Dann noch die ganzen Eier im Garten verstecken. Das macht mir und vor allem den hiesigen Helfern, welche diesen Brauch bisher nicht kannten, großen Spaß. ![]()
Die syrisch-orthodoxen singen wieder den ganzen Tag. Grünes Gras und bunte Eier – ja es ist Ostern! Meine österlich-friedliche Stimmung steigt. ![]()
Ich werde rechtzeitig mit allem fertig und schaffe meinen Beitrag zum Büffet zu meiner Nachbarin Karen aus Kanada, wo die abendliche Party steigt. Yusuf schicke ich noch los zu Freunden in der Innenstadt, wo er etwas abliefern soll. Dann sollte er Feierabend machen. Tja, sollte er. Aber dazu später mehr....
Für die Party haben sich 40 Leute angesagt, etwa 2/3 Expats, der Rest indische Freunde und NRIs (Non-Resident-Indians). Die Stimmung ist gut, der Welcome-Drink (Sekt-Cocktail) schmeckt, und die Bar ist gut bestückt, da wir in den letzten Tagen alle Liquor-Permits reichlich genutzt haben.
Einige Nachzügler berichten mir von einem Riesenstau in der Innenstadt, und angeblich soll auch mein Auto in einen kleinen Unfall verwickelt sein, wodurch dieser Stau ausgelöst wurde. Na ja, dachte ich mir, das Auto ist ja versichert, und so lange es nur Blechschaden ist, wird Yusuf das schon irgendwie klären bzw. anrufen, wenn etwas nicht in Ordnung sei. Dachte ich mir.... Zunächst.....
Das Essen war klasse (das meiste von Expat-Frauen gekocht). Es gab sogar Rindfleisch und gefüllten Truthahn. Das Erdbeer-Dessert und der Karottenkuchen machten schließlich jedem Diätgedanken den Garaus. Die Party hat ihren Höhepunkt schon überschritten, als Yusuf anrief und berichtete, dass er einen Unfall hatte und jetzt auf der Polizei sei. Plötzlich ist die Verbindung unterbrochen und ich kann ihn nicht mehr erreichen, da sein Handy abgeschaltet ist. Jetzt werde ich doch etwas unruhig und frage meinen Nachbarn Vineet, ob er mich zur Polizei begleiten könnte, um zu klären was evtl. zu klären sein.
Gott sei Dank war Vineet dabei, der übersetzen und die Lage richtig einschätzen konnte.
Denn was dann folgte, hat mich in ohnmächtige Wut versetzt.
Es war ein Lehrstück über „wie funktioniert Macht in Gujarat“. Mein österlicher Friede war auf jeden Fall hin.
Nebenbei habe ich auch noch viel über das „Rechtssystem“ in Indien und die Hierarchie innerhalb der Polizei gelernt. Aber eins nach dem anderen....
Ostersamstag: „Wie durch die Mücke ...“ (=der kleine Kratzer)
Also nochmal von vorne: Yusuf war in der Innenstadt und hat wie beauftragt die Sachen abgeliefert. Samstagabend gegen halb Acht ist immer mächtig viel los. Auf dem Rückweg in der stark befahrenen Old Padra Road kam es dann aufgrund einer Baustelle, welche vor einem Kreisverkehr zu einer Engstelle führte zu dem Zwischenfall. Er als vorfahrtberechtigter Fahrer wurde von einem Corolla mit MH-Kennzeichen (Maharashtra) geschnitten. Dabei verhakelten sich die beiden Fahrzeuge und der vorwitzige Corolla hat dadurch einen kleinen Kratzer davongetragen. Soweit keine große Affäre, sowas passiert hier ja fast täglich und wird meist ignoriert.
Yusuf ist jetzt seit 4 Jahren mein Fahrer und hatte noch nie einen Unfall, keinen Hund überfahren o.ä., wollte das aber ordnungsgemäß klären. Dazu hat er das Fenster runter gekurbelt (ein Fehler!) woraufhin der ältere Corollafahrer lautschreiend durch das offene Fenster griff und blitzschnell den Schlüssel von meinem Auto abzog und einbehielt. Yusuf wollte ihn zur Vernunft bringen und forderte den Schlüssel zurück, damit er zur Seite fahren konnte, um die Sache zu klären. Aber das wollte der gegnerische Fahrer nicht zulassen. Zunächst wollte er sofort 2.000 Rs. cash auf die Hand, um den Schaden reparieren zu können (eine vollkommen überzogene Forderung). Dann wollte er noch weitere 2.000 Rs., weil er sich ja für 2 Tage einen Leihwagen nehmen müsse. Klar, dass Yusuf dies verweigerte, und ihn aufforderte, das doch dann offiziell klären zu lassen. Dazu also richtigerweise bei der Polizei einen „case“ aufnehmen zu lassen. Daraufhin klärte der mahratische Teufel Yusuf auf, das er schließlich aus Bombay komme und sich auskenne. Und da habe er als Provinzler ihm gar nix zu sagen. ![]()
Mittlerweile hat die Auseinandersetzung zu einem nicht unerheblichen Stau geführt. Mehrere Unbeteiligte haben auf den überheblichen Großstädter eingeredet, er solle doch den Schlüssel rausrücken, damit die Straße frei gemacht werden kann. Es war aber nix zu machen. Schließlich hat Yusuf die Polizei über Handy angerufen. Die kam dann auch ca. 15 min später und endlich war der Schlüssel wieder beim rechtmäßigen Fahrer und die Straße frei.
Der anwesende Polizist, ein PC (Police Constable), macht also seinen Job. Befragt die Unfallbeteiligten. Befragt den betagten Bombay-Wallah, ob der denn nun Anzeige erheben möchte. Ja, und dann plötzlich wollte er nicht mehr. Also mit Polizei, also nein. Ist ja alles gar nicht so schlimm. Dafür brauche man doch keinen „case“ (also eine Anzeige). Und weg war er. ![]()
Also, alles klar. „Fall“ geklärt. Es ist Ostern. Friede, Freude, Eiersuchen. Könnte man denken. Tja, könnte.... 
Aber das Schicksal hat es an diesem Tag nicht gut gemeint für Yusuf. Und das Schicksal trat in sein Leben in Form des CP (Commissioner of Police) Rakesh Asthana, also dem für seinen Amtsmissbrauch bekannten Polizeichef von Baroda. Es trat natürlich nicht persönlich in Erscheinung, sondern in Form der zahlreichen ihm unterstellten Abhängigen.
Berühmt wurde Asthana bereits durch seine Rolle zur Untersuchung des Überfalls in Godhra 2002, wo er Untersuchungen leitete. Die zu dem Überfall eingesetzte Banerjee-Kommission zeigt 2004 viele Beispiele, wie die Untersuchung seinerzeit manipuliert wurde und dass dieser Überfall vielleicht ein Unfall war. Journalisten von Tehelka haben bereits 2007 dazu schockierende Wahrheiten offengelegt. Aber der 2008 vorgelegte Bericht der Nanavati-Shah-Kommission, welche sich ausschließlich auf die manipulierten Polizeiberichte und gekauften Zeugenaussagen gründet, belegt das Gegenteil. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird nicht mehr aufgeklärt werden, was wirklich geschah.
OK. Ich schweife etwas vom Thema ab. Aber das sollte nur zeigen, dass Asthana, ein langjähriger treuer Anhänger der Modi-Regierung in Gujarat, weiß wie Macht eingesetzt wird. Und er ein richtiges Kaliber in Gujarat ist, mit dem man sich besser nicht anlegt.
Aber dazu mehr in Teil 2 vom Ostersamstag ...
Ostersamstag: „..der mächtige Elefant in Bewegung kam“ (Commissioner of Police)
Nun kann man sich ja vorstellen, wie lange ein Stau wird, wenn beim samstäglichen Abendverkehr die Hauptstraße mehr als 20 min total blockierte wird. Angeblich reichte der Stau ca. 2-3 km zurück bis zum Bahnhof.
Der Stau beginnt sich also langsam aufzulösen, nachdem der Fall als Nicht-Fall identifiziert wurde und alle sich einig waren. Der Police Constable und Yusuf waren gerade am wegfahren, als sie von einem anderen Polizeifahrzeug aufgehalten wurden. Mit N.C. Patel höchstpersönlich, dem ACP (Assistant Commissioner of Police oder so ähnlich) der Verkehrspolizei (Traffic Department), also einem hochrangigen Polizisten, der von Asthana höchstpersönlich einen Auftrag hatte.
Wie kam das?
Also, hier die Schilderungen, wie ich sie im Laufe der Samstagnacht und am Sonntag/Montag stückchenweise erfahren habe:
Rakesh Asthana war am Samstagabend unterwegs zu einer Hochzeit. Mit seiner Frau im Auto. Und schon spät dran. Zu einer hochrangingen Hochzeit sollte es gehen. Und dann kam er in den Stau, ausgelöst durch den Rechthaber aus Bombay. Dieser Stau sorgte für nicht unerhebliches Ungemach beim CP. Also richtig ungehalten wurde er. Und dann hat er halt seine Macht eingesetzt, um seinen Ärger loszuwerden. Rief im Control Room der Verkehrspolizei an und fragte nach dem Grund für den Stau. Da wusste noch keiner etwas davon. Staus sind am Samstagabend eher normal. Noch dazu derzeit viele Baustellen in der Stadt sind. Asthana also hat den höchsten Diensthabenden, ACP N.C. Patel also, angewiesen, sich sofort um die Sache zu kümmern und die Stauverursacher umgehend zu verhaften. Aber plötzlich! ![]()
Das ließ sich ACP Patel nicht zweimal sagen. Befehl ist Befehl, und der wird ausgeführt, wenn man noch an einer Karriere interessiert ist. Also kam er höchstpersönlich zum Unfallort und leider war nur noch Yusuf da. Und der wurde dann (nebst meinem Auto) „abgeführt“. 
Somit sind also dann ACP Patel im eigenen Auto, der Constable von der hiesigen Polizeidienststelle und der verhaftete Yusuf in meinem Auto bei der um die Ecke liegenden Polizei eingetroffen. ACP Patel weist – unter Einhaltung der Befehlskette von oben nach unten - den rangniedrigeren Chef der hiesigen Polizeidienststelle, den PI (Police Inspector) an, Yusuf zu verhaften und einen „case“ (also ein Ermittlungsverfahren) gegen ihn zu eröffnen.
Wegen irgendwas. Und das sein ein Befehl von ganz oben, vom CP! 
Der Police Inspector tat also wie ihm geheißen, schließlich will er ja auch noch einige Zeit auf seinem Stuhl sitzen. Er hat zwar hinterher zwischen den Zeilen verlauten lassen, dass er das persönlich für Amtsmissbrauch hält, aber er müsse nun einmal die „procedure“ einhalten. 
Und außerdem war der ACP auch noch wütend, weil er nur 1 verhaften konnte und nicht 2, wie der CP befohlen hatte. Da hat der arme Police Constable auch gleich noch einen Anschiss bekommen und ihm wurden Konsequenzen angedroht, weil er den anderen Fahrer laufen lies. 
Die Polizeidienststelle war daher in heller Aufregung und hat viel Papier beschrieben, um die Aussagen von Yusuf aufzunehmen, und daraus einen „Fall“ zu basteln. Wegen eines „accident case“ (also Verkehrsunfalls), und am besten auch gleich noch wegen Verstoß gegen den „traffic act“, was ja durch das „Verursachen eines Verkehrsstaus“ bewiesen sei.
Das muss man sich auf Deutschland übertragen also ungefähr so vorstellen: Sagen wir einmal in einer Provinzstadt wie Regensburg wird man, wenn man einen Unfall und nachfolgenden Stau verursacht (wobei Yusuf ihn ja gar nicht verursacht hat, sondern der Fahrer aus Bombay) statt wegen „nicht angepasster Fahrweise“ (welche in Deutschland vielleicht maximal als Ordnungswidrigkeit und nicht als Straftat gilt, und vielleicht eine schriftliche Verwarnung oder ein Bußgeld über sagen wir mal 35 Euro auslöst) gleich verhaftet. Weil z.B. der Polizeichef von Regensburg durch den Stau zu spät zur Sonntagsmesse im Dom kommt.
Auf Indien übertragen würde eine strikte Auslegung der „nicht angepassten Fahrweise“ täglich zu millionenfacher Verfolgung führen. Aber das schert normalerweise niemanden. Nur einen mächtigen Mann wie den "CP".
Weiter zum Verlauf der Samstagnacht. Nachdem also viel Papier ausgefüllt wurde, konnte mich Yusuf gerade noch mit dem Handy anrufen. Das wurde ihm dann weggenommen. Und die Schuhe auch.
Eine knappe Stunde später bin ich dann mit meinem Nachbarn Vineet auf der Polizeistation aufgetaucht, und meine Partystimmung und gute Laune wandelten sich blitzartig in einen Schockzustand und später in Wut und Ohnmacht. Nix mehr mit Osterfrieden. Und schlagartig nüchtern wurde ich. ![]()
Den Anblick werde ich so schnell nicht vergessen: Yusuf hinter Gittern!
Sie haben ihn tatsächlich eingesperrt und bis zum nächsten Tag in dieser Dreckszelle behalten!
Vineet führt ein langes Gespräch mit dem PI (Police Inspector), oder vielleicht war es auch der PSI (Police Subinspector). Auf Hindi, also habe ich nur einzelne Wörter verstanden. Aber die Körpersprache sagte viel mehr aus. Viel Kopfschütteln, viel Seufzen, viel Schulterzucken, viel „Achcha“.
Und so kam die ganze Geschichte allmählich raus. Da half also kein vernünftiges Argumentieren, ja nicht einmal viel Schmiergeld wäre da eine Lösung gewesen. Der CP hat befohlen, und da könne man gar nix machen. Er - der PI - hätte Yusuf ja gerne freigelassen, oder zumindest in einem normalen Zimmer mit Deckenventilator behalten, aber er musste in die Zelle.
Und das hatte seinen guten Grund: Der ACP N.C. Patel ist nämlich später in der Nacht nochmal aufgetaucht und hat kontrolliert, ob seine (also Asthanas) Befehle auch ordnungsgemäß ausgeführt wurden.
Was ich noch erfahren habe war, dass Yusuf am nächsten Nachmittag (Sonntag) vor Gericht gehen kann, um Kaution zu beantragen. Glücklicherweise hat er viele Freunde, darunter einen bei Gericht und einen Anwalt, welche ihm dabei geholfen haben. Kaution konnte ich nämlich nicht leisten, dazu muss man in Indien Grundbesitz haben (also eine Wohnung oder Haus). Und die darf ich als Ausländerin ja nicht haben.
Es waren auch schon andere Freunde vor Ort, die ihn mit Essen und Getränken versorgt haben. Und alle versicherten mir, ich solle mir doch keine Sorgen machen. Er käme am nächsten Tag schon wieder frei. Und es wird ihm auch nix passieren auf der Polizei (also damit meinten sie, dass er nicht geschlagen oder sonst wie misshandelt würde – und das ist keine Selbstverständlichkeit in Indien). 
Der Police Inspector sei auf Yusufs Seite, aber er könne nun einmal nicht anders handeln. Dafür haben sie schon Verständnis, schließlich steckt ja der CP dahinter. Wobei keiner am ganzen Abend den Namen genannt hat. Lediglich die Erwähnung der beiden Buchstaben C! P! lies alle erschauern.
Ostersonntag: Wieder frei
Ostersonntag musste ich früh raus, da in der Fabrik außerhalb Barodas die Einweihung einer neuen Produktionsanlage anstand. Am Nachmittag, als ich wieder zu Hause war, dann endlich der erlösende Anruf von Yusuf: er ist wieder frei!
Etwas später kam er dann mit meinem Auto. Das Auto musste nämlich über Nacht auch bei der Polizei bleiben und wurde ebenfalls erst am Tag darauf „freigelassen“ (allerdings war keine Kaution notwendig). ![]()
Yusuf war verständlicherweise leicht verknittert und übermüdet. Erzählte, dass er nicht schlafen konnte, da er mehrere Überfälle von Ameisenhorden abwehren musste, welche in der abfallverseuchten Zelle ihr Unwesen treiben.
Ostermontag: Wie geht's weiter?
Yusuf und seine Freunde erzählten, dass dieses ganze Gerichtsverfahren jetzt seinen normalen Weg geht. Das geht ungefähr so: Jetzt wird erst schriftlich Anklage erhoben. Dann gibt es in ca. 2 Wochen ein erste Anhörung von beiden Seiten (also Yusuf+Anwalt und Polizei). Dann folgte ca. 1 Monat später die zweite Anhörung und evtl. nochmal später eine dritte Anhörung. Vermutlich wird er zu einer Strafe von 300-500 Rs. (5-8 Euro) verurteilt. Und da sein Freund bei Gericht sei, wird das alles schnell erledigt sein, da der die Mittel und Wege kennt, um das Verfahren zu beschleunigen. 
Yusuf wurde bei der Kautionsverhandlung vom Richter gefragt, ob er einen „Fall gegen die Polizei“ erheben möchte, er könne ihm dazu durchaus die Erlaubnis geben (...ungesagt blieb dabei, dass er dann wahrscheinlich die Freilassung auf Kaution vergessen könne). Und Yusuf hat das logischerweise verneint. ![]()
Und da frage ich Naivchen dann, ob man nicht doch noch ein Verfahren wegen Amtsmissbrauch gegen den „CP“ einleiten könne. „Oh nein“, wehren alle Anwesenden vehement ab. Schließlich sei das ein mächtiger Mann, ein Freund vom Chief Minister von Gujarat, Narendra Modi. Und Yusuf ist Muslim, und daher erwarte er in so einem Fall, dass irgendwelche „Geschichten“ erfunden würden, „Zeugen“ auftauchen usw., und dann habe er ein echtes Problem. Schließlich sei man ja in Gujarat, und da weiß man, wo die Macht ist. ![]()
Wie soll ich jetzt noch meinen Osterfrieden bekommen?
Dienstag nach Ostern: Zurück zum Alltag
Mit der ersten Tasse Tee und der Zeitung genieße ich den noch kühlen Morgen im Garten. Keine besonderen Vorkommnisse . Nur die üblichen Geschichten der verbalen Geplänkel zur bevorstehenden Parlamentswahl. Hier eine Geschichte eines Selbstmordes, da eine von einer Vergewaltigung, bei der das geschwängerte Opfer gezwungen wurde, den Vergewaltiger zu heiraten. Nix besonders also.
Für den Außenstehenden kann das Trugbild vom „Vibrant Gujarat“ ungetrübt bleiben. Ich bin immer noch wütend, aber weiß auch kein Mittel, um mich gegen diese Art Ungerechtigkeiten zu wehren.
Heute ist Dr. Ambedkars Geburtstag. In der Stadt sind einige Veranstaltungen. Schulmädchen in hübschen südindischen Trachten sind unterwegs.

Rehana ist immer noch im Krankenhaus. Ich kann mit dem behandelnden Arzt sprechen. Es ist nix ernsthaftes. Sie machen viele Untersuchungen, um die Ursache für ihren Bluthochdruck und die entsprechende Behandlung zu finden. Wahrscheinich kann sie morgen nach Hause.
Es werden 43 Grad Mittagstemperatur erwartet. Ich schließe mich also zu Hause ein und werde erst am Spätnachmittag weitere Aktivitäten starten. Im März war ich bereits in Deutschland, um ein neues Visum zu beantragen. Dieses Jahr habe ich gar nicht den Versuch unternommen, es hier in Indien zu versuchen. Und heute soll ich angeblich die neue „residential permit“(Aufenthaltserlaubnis) bekommen. Außerdem ist die Batterie vom Generator kaputt und muss geprüft und geladen werden. Etwas frisches Gemüse muss auch noch eingekauft werden. Der Alltag hat mich also wieder.
Wird vielleicht Pfingsten dieses Jahr friedlicher werden?


















Uaaah. Gääähn. Bin ich müde. Das war einfach zu lange. 6 Wochen Weihnachtsurlaub in Deutschland. Und jetzt komme ich einfach nicht aus dem Jetlag und Schlafstörungen raus und fühle mich wie im Koma. Oder irgendwie physisch zwar da, der vernebelte Kopf hängt aber noch irgendwo zwischen den Kontinenten.










so manchen Hochlade-Versuch zunichte gemacht. Dafür dieser Beitrag jetzt mit noch ein paar mehr Fotos/Videos. Den Beitrag wollte ich an diesem Tag herausgeben, weil sich da der 
). Leider geht bei seinem Geblödel auch ab und zu etwas kaputt: Rehanas Dupatta, Weihnachts- oder Osterdekoration, Schuhbänder, und alles, was sich sonst noch jagen lässt. Den Rest des Tages verbringt er nun mit Rumblödeln, Attacken aus dem Hinterhalt und vor allem Extrem-Fläzen. Letzters bevorzugt auf dem Rücken, mit gespreizten Beinen, wobei er sehr unschamhaft seinen weißen Bauch und die rot gestreiften äußeren Geschlechtsmerkmale herzeigt.


















Auf dem Markplatz herrscht schon in diesen frühen Morgenstunden viel Betriebsamkeit, da auch bei den anderen Altären viel zu tun ist.


Ihre Zauberkraft haben sie durch die Segnung der Fronleichnamsprozession erhalten. Aber direkt vom Alter wirken sie angeblich besser. Voodo – sag ich doch! 